Warum ich wieder verlernen will, wie man „richtig“ fotografiert

Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, wie es angefangen hat. Ich habe mir eine Kamera gekauft, ohne großen Plan, ohne viel Recherche, ohne endlose Vergleichstabellen oder YouTube-Videos. Es war eine Herzenssache. Und ich wollte einfach rausgehen und fotografieren.

Ich bin losgezogen, oft ohne Ziel. Ich war mit Leuten unterwegs, wir saßen in der Stadt und haben einfach geknipst, was uns vor die Linse kam. Wir haben spontan Objektive getauscht, hatten Spaß und waren einfach im Moment. Ich habe Dinge fotografiert, die mir ins Auge gefallen sind: Licht, das irgendwo schön fiel. Strukturen. Kleine Details am Straßenrand oder in Parks. Situationen, die vielleicht für niemanden sonst besonders gewesen wären, aber für mich in diesem Moment alles bedeuteten.

Ich habe nicht lange überlegt. Ich habe einfach ausgelöst.

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Raus aus der Stadt, rein ins Leben – Ein Gegenentwurf zu dem, was alle wollen

Es war keine dieser spontanen Entscheidungen, die man an einem Abend trifft und am nächsten Morgen schon wieder hinterfragt. Eher eine, die sich leise angeschlichen hat. Über Wochen, vielleicht Monate. Ein Gedanke, der immer wiederkam, sich festsetzte und irgendwann nicht mehr ignorieren ließ: Will ich eigentlich noch so leben wie bisher?

Der Umzug aus der Innenstadt an den Stadtrand war am Ende nicht nur ein Ortswechsel. Er war eine Antwort. Auf Fragen, die ich mir lange nicht gestellt hatte – und vielleicht auch nicht stellen wollte.

Wenn das Leben leiser fragt

Ich glaube, irgendwann kommt dieser Punkt. Nicht laut, nicht dramatisch, sondern eher wie ein leises Ziehen im Hintergrund. Dieses Innehalten. Dieses Zurückblicken. Laut einer Statistik befinden sich aktuell etwa 36 % der Deutschen in der sogenannten Lebensmitte – also zwischen 35 und 59 Jahren. Eine Zahl, die plötzlich gar nicht mehr so abstrakt wirkt, wenn man merkt: Ich bin mittendrin.

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Umzug in ein neues Leben

Heute vor einem Jahr war der Tag der Schlüsselübergabe unserer neuen Wohnung. Meine erste Wohnung überhaupt, bei der das offiziell von statten ging.

Alle Wohnungen vorher waren WGs und aus meiner letzten WG wurde dann meine erste eigene Wohnung. Jedenfalls war das ein sehr aufregender Tag vor einem Jahr.

Schlüsselübergabe in der neuen Wohnung

Die neue Wohnung das erste Mal vollständig leer sehen.

Schlüssel ausgehändigt bekommen und zu wissen: Hier kommt jetzt niemand mehr einfach so rein.

Nachdem der Hausmeister gegangen war und wir so alleine mit dem Schlüssel in der Hand mit einem Sekt auf die neue Zukunft anstießen, realisiert man so allmählich: Krass, das wird jetzt alles anders. Und diese wunderschöne Wohnung ist jetzt unsere. Hier werden wir wohnen.

Das war alles ganz schön surreal. Aber der Umzug stand mir noch bevor. Sowie die Übergabe meiner alten Wohnung. Ganz ehrlich? Ich zieh erstmal nicht mehr um. Das, was so hauptsächlich dazu gehört, das hat mir so gar keine Freude bereitet.